WORK AND BOX COMPANY
WORK AND BOX COMPANY - ein Projekt von hand in
Gewaltbereite Jugendliche brauchen eine Chance. Projekte, die sie auf einen Weg aus der Gewalt begleiten, gibt es kaum. Die Work and Box Company vor den Toren Münchens ist eines der wenigen. Seit 2003 integriert sie jugendliche Mehrfachstraftäter erfolgreich in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt.
Auf ihrem Weg zurück in die Normalität, nach der sie sich sehnen, bauen wir zuerst einen intensiven Kontakt zu ihnen auf. Dazu muss man eine Sprache sprechen, die sie verste- hen. Dann können wir sie mit der Realität konfrontieren, die sie oft genug verdrängen, und ihnen schließlich die Perspektive geben, dass sie es schaffen.
Nach einem Jahr haben acht von zehn der Jungs für sich die Entscheidung getroffen, ihr Leben in die Hand zu nehmen, und: Sie haben einen Ausbildungs- oder Arbeitplatz gefunden.
Jedem seine Chance
Wir bringen straffällige Jugendliche in den Arbeitsmarkt.
Gewaltbereite Jugendliche bekommen in Deutschland viel punktuelle Aufmerksam- keit in den Medien und wenig konsequente Hilfe bei der Bewältigung ihrer Probleme. In der Work and Box Company steht diese Zielgruppe vor der Herausforderung: Endstation Knast oder die letzte Chance nutzen. In ihrer Entscheidung begleitet sie ein Team aus Therapeuten und Handwerksanleitern, Psychologen und Sozialpädagogen.
Am Anfang geht es darum, eine tragfähige Beziehung aufzubauen. Hat er im Projekt Fuß und Vertrauen gefasst, beginnt seine Auseinandersetzung mit sich selbst, mit seiner Vergangenheit, mit seiner Umgebung und mit der Realität der Arbeitswelt.
All das geschieht in Handlung und nicht in Worten: reale Erfahrungen, die der junge Mensch selbst macht – nicht Ratschläge, die ein anderer ihm gibt. All das geschieht außerdem in einem therapeutischen Setting. All das geschieht jeden Tag aufs Neue, immer und immer wieder, bis die Jugendlichen in der Lage sind, die Chancen für sich zu nutzen.
Dann kommen die Schritte in den Arbeitsmarkt: schulische Hilfen, Bewerbungen, Praktika und schließlich die Vermittlung. Nach einem Jahr haben acht von zehn Teilnehmern des Projekts einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz in der freien Wirt- schaft gefunden. Das bedeutet: wirtschaftliche Unabhängigkeit und also eine wichtige Voraussetzung für eine langfristige Stabilisierung. Die fördern wir durch Nachbetreuung – mindestens ein halbes Jahr lang.
In Deutschland wird das Profil eines neuen Männertyps immer mehr sichtbar: unsicher, orientierungslos und gewaltbereit. Jahr für Jahr vermehrt er sich um das Zehntel aller Schüler, die die Schule ohne Abschluss verlassen, und jene 20 Prozent der Auszubildenden, die ihre Lehre nicht zu Ende führen.
Gewalt ist ein überwiegend männliches Phänomen: Gewaltdelikte werden zu ca. 85 Prozent von Männern verübt. Während die Kriminalität, auch die der Jugendlichen, in Deutschland insgesamt leicht zurückgeht, steigt der Anteil jugendlicher Gewalttäter, vor allem in Ballungsräumen und unter jungen Menschen nicht-deutscher Herkunft. Außerdem entfallen immer mehr Delikte auf immer weniger Täter: Mehr als 10 Prozent der Tatverdächtigen verübten 2007 drei oder mehr Straftaten. Viele der jugendlichen Serienstraftäter stammen aus Problemfamilien, versagen früh in ihrem sozialen Umfeld und erleben und praktizieren Gewalt als Mittel der Selbstbehauptung. Eine weitere wichtige Tatsache: 97 Prozent der Gewaltstraftäter waren oder sind selbst Gewaltopfer.
Die Teilnehmer der Work and Box Company sind männliche gewaltbereite Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren. Gewaltbereit heißt: Sie versuchen jede Art von Konflikt mit Gewalt zu lösen. Zusammenstöße mit der Polizei, Gerichtsverfahren und Strafvoll- zug sind die Folgen. Den Delikten der Jugendlichen stehen ihre eigenen Traumatisie- rungen gegenüber: zerbrochene Familien, Ausgrenzung als Migranten der zweiten oder dritten Generation, Verwahrlosung, Misshandlung. Integration findet auf keiner Ebene statt. Und: 97 Prozent der Gewaltstraftäter waren oder sind selbst Gewalt- opfer. Nach dem Scheitern in Schule, Ausbildung und anderen Jugendhilfemaßnahmen ist die Work and Box Company oft ihre letzte Chance, sich einen Platz in der Gesell- schaft zu erobern.
TeamIn der Work and Box Company bereitet ein Team aus Sozialpädagogen und Psycholo- gen, Handwerksanleitern und Boxtrainern die Teilnehmer auf ein Leben innerhalb der Gesellschaft vor. Mit dabei: die beiden Initiatoren Rupert Voß und Werner Makella. Voß, Schreinermeister und Unternehmer, bildet schon seit 20 Jahren in seinen Firmen Lehrlinge aus – immer bekommen bei ihm auch schwierige Jugendliche eine Chance. Für die ‚harten Fälle‛ entwickelte er gemeinsam mit Makella das Konzept der Work and Box Company. Der systemische Familientherapeut Werner Makella ist auch der Leiter des Projekts.
BeziehungMit einem Menschen Kontakt aufbauen, der so verletzt ist wie unsere Jungs, braucht Ehrlichkeit auf Augenhöhe, keine Besserwisserei, Zuverlässigkeit und die Bereit- schaft, wieder und wieder ohne Vorbehalte auf den anderen einzugehen. Wenn ein junger Mann, für den Aggression die einzige Art Nähe ist, die er kennt, sich auf eine Beziehung einlässt, dann ist alles, auch Veränderung möglich. In den Worten der Jungs: „Da passiert etwas wie Vertrauen und Zuneigung. Das ist etwas, das hast du noch nicht erlebt, nicht mal zu Hause.“
AuseinandersetzungEin wichtiges Medium der Auseinandersetzung ist in unserer Arbeit die Kontaktsport- art Boxen. Boxen bietet die Möglichkeit, Verbindung mit den Jugendlichen aufzuneh- men. Im Boxring finden faire Auseinandersetzungen eins zu eins statt. Der Boxanlei- ter stellt gezielt Situationen her, denen die Teilnehmer nicht ausweichen können. Hier zeigen sie sich, wie sie sind. Zugleich geschieht pädagogisch geführte Konfron- tation, damit der Jugendliche in der Krise lernen kann, anders mit ihr umzugehen. In der Handlung des Boxens können die Jugendlichen vieles über sich selbst und den Umgang mit anderen erfahren und auch neue Verhaltensweisen ausprobieren.
ArbeitsweltIn der Work and Box Company ist Arbeit Handlung und Auseinandersetzung. Daher geht es nicht in erster Linie darum, dass die Teilnehmer produktiv etwas herstellen. Entscheidend ist das praktische Tun, sich an Arbeit als solches gewöhnen, auch unbeliebte Aufgaben ausführen, z.B. das Putzen der Projekträume, eigene Fähig- keiten entdecken, etwas zu Ende führen, das Ergebnis als Erfolgerlebnis vor Augen haben, im Team zusammenarbeiten. Das alles sind wichtige Voraussetzungen für das spätere Arbeitsleben.
HandlungFür die meisten unserer Teilnehmer gehört reden nicht zu ihren Stärken. Deswegen orientieren wir unsere Interventionen am Prinzip Handlung. Wenn sie selbst handeln, können die jungen Menschen ihre Vorstellungen, Ideen und Wünsche an der Wirk- lichkeit messen, können ihre eigenen Erfahrungen machen und diese in neue verän- derte Verhaltensweisen einfließen lassen.
Therapeutisches SettingDer therapeutische Blickwinkel ist in der Arbeit der Work and Box Company immer präsent. Es gibt also in dem Sinne keine Therapie-Sitzungen. Vielmehr werden die Verletzungen der Jugendlichen, also die Ursachen ihres Verhaltens und ihrer Pro- bleme, in allen Aktivitäten mitbedacht und mitbearbeitet, z.B. sich bei einem Eltern- gespräch der Realität der Vergangenheit stellen, im Praktikum eine Perspektive für die Zukunft erobern, im Boxring die blinde Wut überwinden oder bei einem Arbeits- auftrag Verantwortung übernehmen.
Schulische HilfenMehr als die Hälfte der Teilnehmer hat die Schule ohne Abschluss verlassen, nicht selten nach der 6., 7., 8. Klasse. Viele Versagenserfahrungen sind damit verbunden. So ist den meisten die theoretische Lernsituation als solche ein rotes Tuch. Mit individueller Unterstützung ist es trotzdem immer wieder möglich, die vormals als ‚unbeschulbar’ Eingestuften zum Nachholen des Hauptschulabschlusses zu motivieren und zu begleiten.
Praktika und VermittlungNach einem Jahr haben acht von zehn Teilnehmern des Projekts einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz in der freien Wirtschaft gefunden. In den vorangehenden Praktika können die Teilnehmer und der jeweilige Betrieb ihre Motivation und Eignung für diesen Beruf erproben. Grundlage der Vermittlung ist immer der intensive persönliche Kontakt zwischen dem Jugendlichen, seinem Vorgesetzten im Betrieb und seinen Betreuern in der Work and Box Company.
NachbetreuungNicht jeder Jugendliche bleibt auf seiner ersten Stelle. Wenn es Probleme mit dem Betrieb gibt, unterstützt die Work and Box Company beide Seiten bei der Lösung. Dazu kann auch die Vermittlung einer neuen Stelle gehören oder Hilfestellung bei anderen Schwierigkeiten.
Mehr Informationen über die Work and Box Company finden Sie im Download.




